Alemannische Fastnacht

Die alemannische Fastnacht. Ob Biberach, Zell, Offenburg, Rottweil oder eben Oberharmersbach. Es lohnt sich. Das ist eine besonders ursprüngliche Form die Fastnacht zu feiern. Seien Sie doch dabei?




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Fastnacht am Beispiel von Wolfach

Schwäbisch-Alemannische Fastnacht
Wolfach gilt als eine der traditionsreichsten Hochburgen der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Denn nur in wenigen Orten findet man eine derartige Vielfalt fastnachtlichen Brauchtums. Eine detaillierte Beschreibung der Fasnet in Wolfach findet sich unter dem Stichwort Wolfacher Fasnet.
Nicht weniger als 12 Umzüge ziehen während der Fastnachtstage durch die Stadt. Der älteste und zugleich bekannteste ist der Wohlauf, mit dem die Wolfacher am Rosenmontag, der hier "Schellemendig" heißt, den Haupttag ihrer "Fasnet" einläuten. Früh morgens ziehen hunderte weiß Gekleideter durch die vollständig verdunkelte Stadt und veranstalten mit ihren mitgebrachten Krachinstrumenten einen ohrenbetäubenden Lärm. Unterbrochen wird die Katzenmusik immer wieder vom Wohlaufsänger, der bei Laternenschein die abgewandelte Version eines alten Nachtwächterliedes anstimmt. Am Mittag desselben Tages findet dann das traditionelle Fasnetspiel statt. Das bekannteste dieser kleinen Theaterstücke ist das um 1787 entstandene Singspiel "Die Weibermühle von Tripstrill" von Georg Anton Bredelin, das alle fünf Jahre aufgeführt wird. Am "Schmutzige Dunnschdig" (Schmutziger Donnerstag), Schellemendig und "Fasnetzieschdig" (Fastnachtsdienstag) gibt es jeweils um 10 Uhr 30 eine Elfemess. Dieser geht ein Umzug voran, bei dem lokale Ereignisse des vergangenen Jahres glossiert werden. Der wohl originellste Wolfacher Umzug ist der Nasenzug am Fastnachtsdienstag, bei dem nur Männer mitmachen dürfen, die sich zuvor mit viel Phantasie eine neue Nase gebastelt haben. Wird eine Frau in dem Männerclub entdeckt, landet sie gnadenlos im eiskalten Stadtbrunnen. Ihren Abschluss findet die Wolfacher Fastnacht in der Geldbeutelwäsche am Aschermittwoch. Vorbei an der "Klagemauer" beim Finanzamt zieht die recht exklusive Wäschergilde zum Stadtbrunnen, um dort ihre nunmehr leeren Geldbeutel unter lautem Wehklagen zu reinigen.
Es sind aber nicht nur die zahlreichen Umzüge und Veranstaltungen, die die Wolfacher Fastnacht einzigartig machen. Nur wenige Städte können auf ein derart reichhaltiges Repertoire an Fastnachtsfiguren zurückgreifen. Zu den am häufigsten bewunderten gehört der Nussschalenhansel, dessen Häs mit rund 3000 Nussschalenhälften benäht ist. Den Röslehansel gibt es in zwei Varianten. Auf der Maske des roten Röslehansels ist eine rote Rose auf der Stirn aufgemalt, auf der Larve des schwarzen Röslehansels ist eine gelbe Blume in schwarzem Rankenwerk zu sehen. Ähnlich kunstvolle Bemalungen von Masken gibt es sonst nur noch im venezianischen Karneval. Äußerst selten sind heute auch Blechmasken, zumal, wenn sie wie im Fall des Spättlehansel im Mundstück beweglich sind. Streifenhansel, Mehlwurmhansel und Schellenhansel komplettieren das bunte Bild der Wolfacher Hanselfiguren. Seit 1958 gibt es die Rungunkel, die der "Altweibermühle von Tripstrill" entlehnt ist; sie ist keine Hexe, sondern ein altes, runzliges Weib ("Runke" = Runzel), das nur noch an der Kunkel, dem Spinnrad sitzt. Hinzu kommen noch viele andere Figuren wie zum Beispiel der Gullerreiter, die Kaffeetanten und Trommler, Landsknechte, Narrenpolizisten, Riesendame oder Müller.




Der Häs

Das Häs (Plural: Häser) bezeichnet im Umfeld der schwäbisch-alemannischen Fasnet das Narrenkostüm, das meistens aus einer Larve genannten holzgeschnitzten Gesichtsmaske und dem Narrenkleid besteht.
Ein Charakteristikum der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist, dass die Hästräger ihre Verkleidung nicht von Jahr zu Jahr wechseln, sondern sie lebenslang beibehalten. In manchen Gegenden ist es sogar üblich, das Häs über Generationen zu vererben. Jede Narrenzunft hat nur einige wenige Narrenfiguren. Das Häs der jeweiligen Figur wird von einer Gruppe in der Zunft getragen. Die ältesten bereits im Mittelalter urkundlich nachweisbaren Narrenfiguren sind der "Teufel", der "Wilde Mann" und verschiedene Tiermasken. Bei den "Fleckle-", "Blätzle-", oder "Spättlekleider" dagegen handelt es sich meist um Leinengewänder, auf denen farbige Stoffflicken aufgenäht sind. Hierzu gehören zum Beispiel der "Plätzler" aus Weingarten oder der Narrone aus Laufenburg. Aus dem Barock stammen die Hansele, Narros oder Weißnarren. Sie haben einen bemalten Leinenanzug, meist eine glatte Gesichtsmaske (Glattlarve) mit freundlich wirkendem Gesichtsausdruck und häufig auf Brust und Rücken über Kreuz getragene Schellenriemen ("Gschell"). Die Fastnachtshexe wie zum Beispiel die Gengenbacher Hexe trägt in der Regel eine Jacke (sog. Peter) und einen Rock, der über einem Unterrock und Bauernwäsche getragen wird. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl örtlicher Narrenfiguren, die sich nicht in eine der erwähnten Gruppen einordnen lassen.
Zur Ausstattung der Narren gehören häufig noch weitere Attribute, die eine symbolische Bedeutung haben oder auch nur dazu dienen, um auf den Narrensprüngen mit den Zuschauern Schabernack zu treiben. Beispiele sind die Rätsche, der Hexenbesen, die "Saubloder" (Schweinsblase), der Fuchsschwanz oder die Streckschere, die mehrere Meter weit ausgefahren werden kann und so dem Narren zum Greifen nach den Hüten der Zuschauer beim Narrensprung dient.





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